• Foto: jessenvollenweider, Basel
    Foto: jessenvollenweider, Basel
  • Foto: jessenvollenweider, Basel
    Foto: jessenvollenweider, Basel
  • Foto: jessenvollenweider, Basel
    Foto: jessenvollenweider, Basel
Drucken

Hofbebauung Riehenring 3, Basel

Architektur:
Jessenvollenweider Architekten Basel; Anna Jessen, Ingemar Vollenweider, Sven Kowalewsky

Bauherrschaft: 
Bau- und Verwaltungsgenossenschaft Wohnstadt


Der Basler Heimatschutz hat im Rahmen seiner Bautenprämierung in den letzten Jahren bereits exemplarische Beispiele der baulichen Verdichtung im städtischen Kontext ausgezeichnet: das von Immobilien Basel-Stadt konzipierte Mehrgenerationenhaus an der Maiengasse/Hebelstrasse (Esch Sintzel Architekten, 2018) oder der von der Stiftung SKB beauftragte Neubau des Sempacherhofs im Gundeli (Miller & Maranta Architekten, 2015). Bauten wie diese schaffen zusätzlichen Wohnraum, zugleich aber füllen sie städtische Freiräume, als die die Hinterhöfe wahrgenommen wurden.
Umso wichtiger ist es, an die neu entstehende Architektur möglichst hohe städtebauliche Massstäbe anzusetzen, etwa mit Studien- und Architekturwettbewerben. Entscheidend sind das Ausbalancieren zwischen bestehenden und neuen Bauvolumen, der Einsatz individueller Wohntypologien und nicht zuletzt eine überzeugende Materialisierung aller Oberflächen. Nur so kann räumliche Verdichtung auch soziale Qualitäten entfalten.

Die gemeinnützige Basler Wohnbaugenossenschaft Wohnstadt will Wohnraum schaffen, «den sich jeder leisten kann». Mit der Hinterhofüberbauung im Wettstein-Quartier, Riehenring 3 – im Geviert Wettsteinallee, Riehenring, Turnerstrasse – entstanden neue stadtnahe Logis, von der 2½- bis zur 4½-Zimmer-Wohnung. Das Areal nutzte die Stadtreinigung, bevor Immobilien Basel-Stadt die frei gewordene Parzelle im Baurecht an die Wohnstadt abgaben. Das Projekt von Jessenvollenweider Architektur aus Basel ging siegreich aus einem Studienauftrag hervor. Anfang April 2020 konnte man die Wohnungen beziehen. Mit einem biomorph-polygonalen Grundriss des Gesamtobjekts und eingezogenen Minihöfen vermeidet der Entwurf die unmittelbare Konfrontation zwischen Altbauten und Neubau. Die bewegte Umrisslinie öffnet den Blick für die Bewohnenden auf beiden Seiten weiter als man zuerst vermutet. Schliesslich trägt die in grün gefasstem Holz verkleidete Fassade zur besseren Assimilation des neuen Baukörpers im Innenhof bei, ebenso der erhaltene historische Baumbestand.

Aus der atmosphärischen Identität des Hinterhofes leitet sich für die Fassaden ein Materialkonzept ab, das komplementär zu den monolithisch gemauerten und verputzten Häusern des Blockrands den Qualitäten des leichteren Baustoffs Holz nachspürt. Dabei ist das Haus in Hybridbaubauweise erstellt. Die Decken und Treppenhauskerne sowie kurze Tragscheiben in der Fassadenebene sind in Stahlbeton ausgeführt. Dies erlaubt im Hof einen speditiven Betonrohbau. Alle Innenwände sind gemauert und kombinieren eine handwerkliche Konstruktion mit nachhaltigem Wohnkomfort. Die Fassade als Holzkonstruktion erinnert nicht nur an die typische Materialität von Hofeinbauten, sondern nutzt für die innerstädtische Hoflage die Vorteile der Vorfabrikation. Die 36 Wohnungen sind nur durch zwei Treppenhäuser erschlossen und lassen durch die Auffaltung des Volumens vielfältige Orientierungen und Ausblicke zu. Die komplementäre äussere Farbgebung in Grün- und Rottönen mit weissen Akzenten prägt die neue Hofatmosphäre.

Mit dem Wettbewerbsentscheid hat sich die Bauherrschaft auf den ersten Blick für ein für Wohnbaugenossenschaften eher ungewöhnliches Projekt entschieden, das seine Logik nicht aus feststehenden Standards, sondern aus den Bedingungen des Ortes ableitet. Das Ergebnis ist sehr hochwertiger, an Grundfläche knapper, jedoch klug organisierter Wohnraum für Familien und es leistet daher auch einen Beitrag an günstigem Wohnraum - Verdichtung wie sie sein sollte!

Daher zeichnen wir das Objekt mit Überzeugung aus.

Hans-Peter Thür, Philipp Ryffel