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Sanierung und Umbau des Bürogebäudes am Petersgraben 11 in Basel

Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt 

Architekten:
Baumann Lukas Architektur AG

Bauherrschaft:
Hochbauamt Basel-Stadt

Eigentümerschaft:
Immobilien Basel


Im Jahr 1904 wurde die Andlauerklinik, das markante Jugendstilhaus am Petersgraben 11, von den Architekten Alfred Romang und Wilhelm Bernoulli als Privatkrankenhaus errichtet. Bauherr und Betreiber war der Chirurg Carl Sebastian Hägler, nach dessen Vorgaben das Haus als repräsentative und komfortable Privatklinik dienen sollte. Farblich individuell ausgestattete Räume mit stuckierten Decken- und Wandfeldern sollten zu einem besonders angenehmen Aufenthalt beitragen. Zur umfassenden Versorgung des Klinikbetriebs gehörte auch eine grosse Küche, ein Laboratorium und ein Operationssaal, dessen verglaster Erker an der rechten Seitenachse in der Beletage noch heute als grosses, nach oben abgerundetes Fenster in Erscheinung tritt. Nach dem Ableben von Hägler ging die Klinik ans Bürgerspital Basel und kam 1972 an den Kanton. Die Andlauerklinik wurde 1984 zusammen mit dem anschliessenden Gebäude Petersgraben 9 für die Universität und die Büros der Archäologischen Bodenforschung umgebaut. Bis zum aktuellen Umbau verteilten sich die Arbeitsplätze des Hauptsitzes der Dienststelle im Erdgeschoss beider Häuser, während die Räume der Ur- und Frühgeschichte im Obergeschoss untergebracht waren. 

Nachdem die Universität im Jahr 2017 auszog, war der Zeitpunkt für eine Reorganisation der auf verschiedene Standorte in der Stadt verteilten Arbeitsplätze der Archäologischen Bodenforschung gekommen. Das Nachbargebäude Nr. 9 wurde vom Hauptbau abgekoppelt. Als Ersatz für die abgegangenen Raumressourcen stand nun aber das Gesamtvolumen der ehemaligen Andlauerklinik für die Bodenforschung zur Disposition, was den Weg ebnete für die Integration aller Abteilungen der Dienststelle unter einem Dach. Auf Basis einer Machbarkeitsstudie entwickelte das Büro Baumann Lukas Architektur AG ein Lösungskonzept für einen massgeschneiderten Umbau und eine integrale Sanierung. Im Vordergrund standen ein anspruchsvolles Raumprogramm und funktionale Abläufe sowie auch eine adäquate architektonische Umsetzung des historischen Baubestands.

So augenfällig die zurückhaltend repräsentative Architektur der neobarocken Andlauerklinik am Äussern in Erscheinung tritt, so wenig hat sie sich im Innern über die Jahrzehnte sichtbar erhalten. Von der Ausstattung und Farbigkeit des ursprünglichen Gebäudes war in den Korridoren und Büroräumen kaum mehr etwas zu spüren. Anhand von alten Abbildungen und von Befunden gelang es den Projektverantwortlichen, diese früheren Qualitäten ohne rekonstruierenden Zwang aufzunehmen, räumliche Anordnungen zu klären und eine neue expressive Farbigkeit ästhetisch überzeugend umzusetzen. So entstand in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege eine integrale Erneuerung vom Keller bis ins Dach. Gerade auch der Umbau des Dachgeschosses zu einem grossen offenen Raum ist lobend hervorzuheben. Eine halbrunde, an die bestehenden Lukarnen der Längsseite anlehnende Dachlukarne in der nördlichen Walmfläche belichtet als neues Element den Dachraum optimal und eröffnet gleichzeitig eine wunderbare Aussicht über die Stadt und zum Rhein. Weiss lasierte Dachwerkselemente tragen zusammen mit den im gleichen Ton gehaltenen Dachschrägen wesentlich zur hellen und wohnlichen Raumatmosphäre bei. Der damit gewonnene Aufenthaltsraum ist nicht nur von grossem Nutzen für den Betrieb, er ist auch ausgesprochen angenehm und von hoher ästhetischer Qualität. 

Die Auszeichnung des Heimatschutzes für diesen kreativen Umbau und die optimale Nutzbarmachung für die Archäologische Bodenforschung geht ganz klar an die verantwortlichen Architekten. Es ist aber auch das Verdienst aller am Projekt Beteiligten, dass dieses bemerkenswerte Resultat möglich wurde. Insbesondere möchten wir dem Kantonsarchäologen Guido Lassau für sein grosses Engagement in der Sache danken. Sein Interesse am Haus, an seiner Geschichte und den darin versteckten Qualitäten ist dabei sichtbar zum Tragen gekommen. Immobilien Basel als Vertreterin der Eigentümerschaft ist auch ein besonderes Kränzchen zu winden, musste in dem Fall doch eine ausgesprochen offene und flexible Einstellung zur Frage, wie Büroräumlichkeiten der kantonalen Verwaltung aussehen können oder aussehen dürfen, an den Tag gelegt werden. Ferner sind auch die fachliche Begleitung durch das Hochbauamt Basel-Stadt als Vertreterin der Bauherrschaft und die Unterstützung durch die Abteilung Kultur des Präsidialdepartements lobend zu erwähnen. 

Bernard Jaggi