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Im Surinam 126, Renovation

Architekten:
Artaria und Schmidt, 1930

Bauherrschaft: 
Wohngenossenschaft Eglisee

Verantwortlich:
"Verein Ein Haus WOBA", Lukas Gruntz, Benjamin Adler, Klaus Spechtenhauser


Das Haus Im Surinam 126 befindet sich zwischen den Bahndämmen hinter dem Badischen Bahnhof. Es ist Bestandteil der WOBA, der ersten Schweizer Wohnausstellung von 1930, einer Mustersiedlung des Neuen Bauens, die bis heute immer noch allgemein zu wenig bekannt ist. Hier versuchten die besten Architekten jener Zeit, günstigen Wohnraum mit den neuen technischen Mitteln der Moderne zu erstellen.

Um 1930 herrschte enorme Wohnungsnot. Allein in Basel gab es gegen 500 als obdachlos gemeldete Familien. Die Architekten Artaria und Schmidt machten es sich daher zur Aufgabe, für die Wohngenossenschaft Eglisee möglichst günstige Reihenhäuser zu erstellen. Die Wohnfläche für eine 4-köpfige Familie betrug ganze 45 Quadratmeter. Der Zeilenbau war energiesparend, auf eine Unterkellerung wurde verzichtet, die Dächer sind flach, was damals noch ungewohnt, aber günstig und materialsparend war.  Die Grundrisse sind äusserst geschickt ausgedacht, im Innern fehlt jede überflüssige Fläche. 

Man betritt das Haus und steht direkt in der Küche, hinter der das Badezimmer liegt, das auch als Waschküche diente. Neben der Küche befindet sich die Wohnstube, an deren Rückwand eine Treppe ins Obergeschoss führt. Dieses enthält zwei Schlafzimmer und das WC. Ein Oberlicht sorgt für Helligkeit. Die Proportionen der Räume sind so erstaunlich gut, dass man meint, in einem viel grösseren Wohnhaus zu sein.

Das Reihenhaus Nr. 126 stand im Frühjahr 2017 kurzfristig leer und dies brachte eine kleine Gruppe von Architekten und Kunsthistorikern auf den Gedanken, es als Musterbeispiel für die gesamte Siedlung restaurieren zu lassen. Die Genossenschaft war bereit, ihnen das Haus mietweise zu überlassen. Sie gründeten die Stiftung „Verein Ein Haus WOBA“, machten sich auf Spendensuche und konnten bald einmal mit der Arbeit beginnen. 

In dem Haus war zwar 90 Jahre lang gewohnt, aber zum Glück wenig verändert worden. Nur die Fenster und die Haustür mussten ersetzt werden. Im Innern konnte die originale Farbigkeit unter vielen Farbschichten gefunden und wiederhergestellt werden. So überraschen heute in der Küche zartgelbe Wandflächen, graues Holzwerk und ein schöner roter Plattenboden. In der Wohnstube musste der Boden ersetzt werden. Er besteht nun wieder aus Linoleum, die Wände erscheinen dazu in sanftem Perlweiss und das Holzwerk der Treppe in schönstem Grau. Dazu macht sich der Eisenhofen mit grünen Platten – da Haus hat bis heute nur Ofenheizung – besonders gut.

Ein ehrgeiziges Ziel der Fachleute war es, das Haus wieder mit Originalmöbeln der Dreissiger Jahre auszustatten. Dies bedeutete intensive Sucharbeit. Sie wurden an verschiedenen Orten fündig. Einen besonderen Glücksfall bildete der blaue Küchenherd, der im Elsass entdeckt werden konnte. Es handelt sich um einen der ersten elektrischen Kochherde jener Zeit und er funktioniert heute noch. Sein letzter Besitzer und Benutzer war ein Koch.

So ist das kleine Haus heute ein echtes Schmuckstück geworden, dank des grossen Engagements der Fachleute und dem Verständnis der Wohngenossenschaft Eglisee. 

Man kann nun wieder ein Haus der 30er Jahre erleben und staunen, wie bescheiden und doch wohnlich man damals darin lebte – und heute auch wieder leben wird. Denn das Haus wird zukünftig an Studenten vermietet.

Uta Feldges