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Neubau: Goldbachweg 12 und 14, Erlenmatt Ost

Zwei unkonventionelle Häuser für soziales Wohnen und Arbeiten

Architekten:
Atelier Abraha Achermann Architekten ETH SIA, Zürich; Daniel Abraha, Stephan Achermann, Iris Schillaci, Claire Sallets

Bauherrschaft:
Stiftung Abendrot Pensionskasse, Basel

Zuständig:
Isabelle Dietrich, Christian Geser 


Die beiden Neubauten Goldbachweg 12 und 14 sind zwischen Erlenmattpark und dem bestehenden Silobau eingebettet. Die beiden Häuser stehen mitten im Herzstück des Teilareals Erlenmatt Ost. Gegen 50 Wohnungen und Atelier- und Gewerberäume im Erdgeschoss sind in den beiden fünfstöckigen Gebäuden untergebracht. Vom Single-Studio bis zur 5.5-Zimmer- Familienwohnung ist für jede Lebensphase und fast jede Lebensform die passende Wohnung dabei. Viele Wohnungen gehen über die ganze Gebäudebreite und werden sowohl vom Hof als auch vom Park her besonnt. Über Laubengänge auf der Hofseite gelangt man direkt in die Wohnungen. Pro Haus erschliesst ein einziges Treppenhaus jeweils zweigeschossige Lauben und Verandas, was ein hohes Mass an Effizienz erlaubt. Direkt seitlich an den vertikalen Kern angegliedert finden sich Geschosswohnungen, welche jeweils über eine Veranda erschlossen werden. Es sind schwellenlose Kleinwohnungen, und somit auch alterstauglich. Die übrigen Wohneinheiten sind als Duplex- oder Triplex Typen ausgebildet, und werden über zweigeschossige Laubenabschnitte erschlossen. Einzelne Wohnungen sind durch die Wendeltreppen direkt mit einem Atelier im Erdgeschoss verbunden. Im unteren Geschoss der Wohnung ist als Schnittstelle zur Laube und zur Nachbarschaft jeweils Kochen / Essen angeordnet, gewohnt wird zur Parkseite. Jeweils eine Wendeltreppe und Nasszelle zonieren das untere Geschoss. Im oberen Geschoss einer Wohnung findet sich der intime und vor Einsicht geschützte Teil des Wohnens ohne vorgelagerte Erschliessung. 

Beide Häuser verfügen über wichtige identitätsstiftende gemeinsame Innen- und Aussenräume, welche an warmen und kalten Tagen kollektiven und sozialen Begegnungsraum bieten, und eine hohe Suffizienz erlauben, indem gewisse Aspekte des Wohnens ganz bewusst geteilt werden. Es sind im Baustein 10 ein "Sommerzimmer" - ein Dacheinschnitt als Loggia mit Feuerstelle zum Hof hin, sowie ein "Winterzimmer", ein überhöhtes Kaminzimmer in Kombination mit einer gemeinschaftlichen Küche. Im Baustein 11 ist es die Dachterrasse für die Bewohner und den Verein Mobile Basel, welcher die Ecksituation in diesem Haus mit Wohngemeinschaften und einer Basis besetzt. 

Der architektonische Ausdruck leitet sich in direkter Weise aus dem typologischen Prinzip und der Raum- und Tragstruktur ab. So führt die Abbildung der Decken und Schotten zu einer rasterartigen, strukturellen Erscheinung, welche sämtliche Räume nach aussen hin abbildet. Die Füllungen in Holzbauweise weisen durch unterschiedliche Anschlagsebenen der Fensteröffnungen eine schöne Tiefenwirkung und Profilierung auf. Die geschlossenen Fassadenanteile sind mit Welleternit verkleidet. Hofseitig sind die Häuser durch die Laubenschicht geprägt, welche durch differenziert gestaltete Betonelemente einen gleichwohl kräftigen wie feinen Ausdruck hat. Parkseitig werden die Gebäudelängen durch zweigeschossige Balkonschichten gegliedert. 

Das Projekt arbeitet mit minimal möglichen Dimensionen, und sucht eine konsequente Entflechtung sämtlicher Bauteile. Auf eine kontrollierte Lüftung wird verzichtet. Die Leitungen werden weder in den Decken noch in den Wänden eingelegt, sondern sind Aufputz geführt, und somit jederzeit zugänglich. So kann eine klare Trennung von Tragstruktur, Haustechnik und Ausbau bewerkstelligt werden. So bleiben die Bauteile des Hauses unabhängig, und können in einfacher Weise gewartet und den unterschiedlichen Lebenszeiten entsprechend ersetzt werden. Auf diese Weise sucht das Projekt letztlich eine radikalere Haltung zum mittlerweile etwas inflationären Begriff der Nachhaltigkeit. 

Neben den ökologischen, energetischen und konstruktiven Aspekten, sind es insbesondere auch soziale und architektonische Mehrwerte, welche den Häusern Langlebigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz verleihen und unbedingt auszeichnungswürdig sind. Man kann den Architekten und der Stiftung Abendrot als Bauherrin nur gratulieren zu diesen mustergültigen Bauten!

Hans-Peter Thür, Philipp Ryffel