Drucken

Details

Donnerstag, 30. September 2021

Bautenprämierungen 2020

Der Heimatschutz Basel prämiert an seiner Jahresversammlung vom 30. September 2021 drei hervorragende Bauten, würdigt den Beitrag des Architekturportals «Architektur Basel» für die Baukultur und blickt mit einer Buchpublikation auf «50 Jahre Bautenprämierung» zurück. Die Anerkennung herausragender Leistungen der Bau- und Renovationstätigkeit in Basel wird auch weiterhin ein fester Bestandteil im Aufgabenbereich des Heimatschutzes sein.

Seit 1969 zeichnet der Basler Heimatschutz beispielhafte Renovationen und Neubauten aus. Das ist für den Verein Anlass, mit einer Buchpublikation zurückzublicken und eine Auswahl der interessantesten Objekte in Bild und Text vorzustellen. Damit Renovationen in die Auswahl kommen, müssen sie denkmalgerecht sein und der historischen Substanz Rechnung tragen. Kompetenz und Verständnis dafür haben inzwischen bei vielen Architekten und Hausbesitzern ein hohes Niveau erreicht. 

«Die Prämierung von Neubauten war in den ersten Jahren nicht immer einfach», schreiben die Autoren Uta Feldges und Robert Schiess im Vorwort. «Das änderte sich erst in den 1980er Jahren, als eine neue Generation von Architekten am Werk war.» Projekte und Bauten der öffentlichen Hand werden nur sehr zurückhaltend prämiert, da der Heimatschutz der Meinung ist, der Staat habe in Sachen Baukultur vorbildlich zu handeln.

Für das Jahr 2020 werden eine Renovation, eine Umnutzung und ein Neubau prämiert:

 

Silo Erlenmatt, Signalstrasse 37
Bauherrschaft: Stiftung Habitat
Architektur: Harry Gugger

Der Umbau des Silogebäudes von Rudolf Sandreuter aus dem Jahr 1912 in ein Arbeits- und Begegnungszentrum sowie ein trendiges Boutique-Hotel ist ein Glücksfall sondergleichen, heisst es in der Laudatio. Das herausragende Resultat war nur dank der innovativen Leistung des beauftragten Architekturbüros und dem finanziellen und ideellen Engagement der Bauherrschaft möglich. Wie ein von seiner ursprünglichen Funktion derart stark bestimmtes Gebäude in eine vollkommen andere Nutzung überführt wurde, ohne dabei seine spezifische bauliche Ausprägung zu verlieren, ist genial. Das Silo diente einst der Basler Lagerhausgesellschaft als Umschlagplatz für Getreide und anderes Schüttgut, das vor Ort verkauft und abgefüllt wurde.

Wohnhaus Schaffhauserrheinweg 63
Bauherrschaft: Marlies Maeder
Architektur: Florian Rauch

Das Mehrfamilienhaus an der Kleinbasler Rheinfront wurde 1892 im klassizistischen Stil von zwei Basler Baumeistern errichtet. Der später erweiterte Bau war vor Beginn der Restaurierungsarbeiten stark sanierungsbedürftig. Die Arbeiten wurden dann in grossem Respekt vor Charakter und Ausstattung ausgeführt. Wiederhergestellt wurde zum Beispiel die verloren gegangene Gliederung der Fassade. Eine thermische Solaranlage wurde sehr diskret auf dem mittleren Dachaufbau platziert. Dies und weitere Massnahmen machen das Gebäude jetzt zu einem Vorzeigebeispiel für denkmalgerechte Sanierung, die auch in energetischer Hinsicht vorbildlich ist. Der Heimatschutz würdigt die Leistung des Architekten und die Hausherrin, die sich für eine denkmalpflegerisch optimale Leistung begeistern liess.

Hofbebauung Riehenring 3
Bauherrschaft: Bauherrschaft Genossenschaft Wohnstadt, im Baurecht der Einwohnergemeinde Basel-Stadt
Architektur: Jessenvollenweider

Neubauten in Hinterhöfen sind nicht unbestritten. Sie entsprechen dem raumplanerischen Prinzip der Verdichtung in den Städten, schaffen neuen Wohnraum, belegen aber auch Freiräume. Es ist daher unabdingbar, dass an die Architektur hohe städtebauliche Massstäbe angelegt werden. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen bestehendem und neuem Bauvolumen, der Einsatz individueller Wohntypen und eine überzeugende Materialisierung aller Oberflächen. Die an Stelle eines unansehnlichen Depots der Stadtreinigung im Geviert Wettsteinallee/Riehenring/Turnerstrasse errichteten Bauten erfüllen diese Anforderungen. Das Ergebnis ist ein hochwertiger, an Grundfläche knapper, jedoch klug organisierter und erschwinglicher Wohnraum für Familien. Die in grün gefasstem Holz verkleidete Fassade kontrastiert mit den monolithisch gemauerten und verputzten Häusern des Blockrandes und assimiliert sich an den Innenhof, bei dem der historische Baumbestand erhalten wurde. 

Auszeichnung für «Architektur Basel»

Der Heimatschutz hat in den letzten 50 Jahren auch immer wieder Einzelpersönlichkeiten und Institutionen für ihre Verdienste um Stadtbild und Baukultur ausgezeichnet. So auch wieder einmal in diesem Jahrgang. Die Ehrung geht an «Architektur Basel», eine Gruppe von jungen Architektinnen und Architekten, welche auf ihrem Onlineportal das aktuelle Architekturgeschehen kritisch begleiten und kommentieren. Sie informieren auf frische Art über Wettbewerbe, Veranstaltungen, Bauwerke, Baustellen, Baukultur und Architekturgeschichte und produzieren spannende Podcasts und Interviews. Die Förderung von jungen und noch wenig bekannten Büros ist ein ganz besonderes Anliegen des Kollektivs. Seine Beiträge sprechen auch architekturinteressierte Laien an, welche auf fachlich präzise, aber gut verständliche Weise orientiert werden. Der Heimatschutz wünscht dem Newsportal möglichst viele Klicks.

 

Kontakt:
Dr. Christof Wamister, Obmann, 061 363 43 20
Andreas Häner, Geschäftsführer, 079 467 22 49