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Montag, 7. Oktober 2019

Einsprache gegen Totalabbruch auf dem Voellmy-Areal

Der Heimatschutz Basel erhebt Einsprache gegen das Neubauprojekt auf dem Areal der Schreinerei Voellmy. (Foto: Heimatschutz Basel)

Innenansicht der Werkhalle der Schreinerei (1959) von Hans Hossdorf (Foto: Walter Grunder, Binningen)

Der Heimatschutz Basel erhebt Einsprache gegen das Neubauprojekt auf dem Areal der Schreinerei Voellmy. Historische Bausubstanz und moderne Ingenieurleistung werden dabei gleichermassen ignoriert.

Das Bauprojekt für das Schreinereiareal Im Surinam 65 hat schon vor seiner Publikation Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil dem Vorhaben ein barockes Landhaus vom Ende des 18. Jahrhundert zum Opfer fallen soll. Die Bauherrschaft hat sich für die Variante "tabula rasa" entschieden: alles abreissen und neu bauen. Das ist aus planerischer Sicht die einfachste, aber auch einfallloseste Variante, die dem Dialog mit dem Bestehenden und der Vergangenheit aus dem Weg geht.

Der Heimatschutz hat gegen das Vorhaben eine Einsprache eingereicht und zeigt auf, welche Werte dabei bedroht sind. Das barocke Landhaus, das vermutlich um 1770 entstand, wurde von der Denkmalpflege als wertvoller Zeuge des ländlichen Barocks und der einstigen Besiedlung ausserhalb der Stadt gewürdigt. Weil es dem Neubauprojekt im Wege steht, wurde es mit dem Einverständnis der Regierung aus dem Inventar der schützenswerten Bauten entlassen. Das ändert aber nichts an seinem Wert.

Für die Fachleute und Kenner des modernen Bauens ist die Werkhalle der Schreinerei (1959) von noch grösserer Bedeutung, obwohl sie in ihrem Äussern verändert wurde. Ihre Tragkonstruktion stammt von Heinz Hossdorf, der als einer der bedeutendsten Bauingenieure des 20. Jahrhunderts gilt. Zu seinen Werken gehören in Basel die Vorspanndecke des Theaters und der Lesesaal der Universitätsbibliothek. Für den Voellmy-Bau fand Hossdorf eine aussergewöhnliche Tragkonstruktion: Die Werkhallen des zweigeschossigen Gebäudes sowie die Dachplatte, die das dort vorgesehene Holzlager überdeckt, sind im Innern absolut stützenfrei und lediglich über die Aussenwände auf Tragrippen entlang der Fassade abgestützt. Architektonisch ansprechend ist auch der Bau mit den Büros und Schauräumen (Vischer Architekten, ebenfalls 1959), ein funktionaler Skelettbau mit grossen Verglasungen im internationalen Stil.

Der Heimatschutz kommt zu folgendem Befund: "Aufgrund der genannten Umstände ist ein Neubauprojekt, das den Totalabbruch sämtlicher Gebäude auf dem Areal vorsieht, als unausgereift zu bezeichnen und abzulehnen." Er fordert eine Ablehnung des Baugesuchs und die Erarbeitung eines Bebauungsplanes, der zumindest die Erhaltung der Hossdorf-Werkhalle vorsehen würde. Auch den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Bauherrschaft für Wohnraum und Gewerberäume könnte damit Rechnung getragen werden.

Auskünfte und Rückfragen:
Christof Wamister, Obmann, 061 361 23 75
Andreas Häner, Geschäftsführer, 079 467 22 49