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Umbau und Aufstockung Birmannsgasse 47, Basel

Architektur:
sab architekten, Basel

Bauherrschaft:
Eigentümergemeinschaft


Das Ensemble, bestehend aus zwei Haupthäusern an der Birmannsgasse und zwei Hinterhof-Gewerbebauten, bildet den Rahmen der Betrachtung. Die Nr. 45 ist weitestgehend unverändert, einzig die Fenster wurden ersetzt. In dessen Hinterhof wurde unlängst einer dieser einfachen Gewerbebauten wunderbar zu einem Wohnhaus umgebaut, das einer der beiden Architekten auch selber bewohnt. Durch diese Verbundenheit mit dem Ort kam es wohl auch, dass die richtigen Partner für den Umbau und die Aufstockung an der Nummer 47 gefunden waren.

Die Intervention an der Birmannsgasse 47 ist unter dem Begriff „innerstädtische Verdichtung“ gut aufgehoben. Denn dies ist die Aufgabe die es zu bewältigen galt, um dem bestehenden Haus einen weiteren Lebenszyklus zu ermöglichen.
Eine Verdichtung soll qualitätsvoll geschehen, wird im Rahmen stadtentwicklerischer Diskurse oft gesagt. Was dies bedeutet, veranschaulicht dieses Beispiel sehr gut, obwohl dies auf den ersten flüchtigen Blick nicht sofort erkennbar wird. Dem Haus wurde das Satteldach genommen, die Fenster sind nicht regelmässig weitergeführt, die Fenstereinfassungen wurden neu interpretiert, aber dennoch ist Vieles aus dem Bestand entwickelt.
Angefangen bei der Wahl der Konstruktion wird klar, dass der Bestand und vor allem die Beibehaltung seiner Struktur wichtig waren. Die Aufstockung ist mit Holzelementen konstruiert, welche ein geringeres Gewicht aufweisen als ein Massivbau und somit keine strukturellen Änderungen nötig werden.
Der Aufbau wird analog des Bestandes verputzt. Dies mag, bezogen auf die konstruktive Logik etwas pragmatisch sein, dient jedoch der Sache und bildet die Strategie des „Weiterbauens“ sehr gut ab.

Diese Beobachtungen ziehen sich im Schnitt fort. Das auf der Hofseite dreigeschossige Haus wurde folgerichtig hinten nur um ein Geschoss erweitert, auf der Strassenseite um zwei.
Im ersten Geschoss der Aufstockung wurden die ehemaligen Estrichräume zu Schlafzimmer und Badezimmer umgenutzt, dies unter Beibehaltung des damaligen Charakters.
Auf der Vorderseite wird aus der Not eine Tugend gemacht. Da die Schallschutzvorgaben auf dieser Seite höher waren und die darunterliegenden Deckenspiegel erhalten werden wollten, wird der Boden auf gedoppelt. Der dadurch entstehende Absatz wird räumlich aktiviert und im Geschoss darüber repetiert. Auf den beiden oberen Geschossen entsteht somit eine offene, fein modulierte Raumlandschaft die an den Loos’schen Raumplan erinnert und ein komplementäres Raumempfinden zu den darunterliegenden Wohnräumen bietet.
Im obersten Geschoss ist hofseitig eine Terrasse eingeschnitten, welche gut zu dem niedrigen Nachbargebäude zu vermittelten vermag. Darüber eine weitere Terrasse auf dem Dach, welche sich jedoch nur über die hintere Haushälfte zieht. Somit tritt sie aus dem Strassenraum nicht in Erscheinung, was der abstrakten, einfachen Erscheinung sehr gut tut.

Bei den Räumen im darunterliegenden Altbau wurde versucht die Eingriffe so zu konzentrieren, dass anderenorts weniger interveniert werden muss. So sind die Wohnungstüren neu, dafür konnte das Treppenhaus in seiner Form belassen werden, dies obwohl eine Einheit mehr erschlossen wird. Die Fenster konnten mehrheitlich belassen werden, wurden aber mit einer IV-Verglasung auf gedoppelt. Die Böden und Decken wurden wo möglich belassen, sogar der Terrazzo in der Küche wird nur repariert.
Wo neue Teile hinzugefügt werden, wie bei Bad, Küche und Wohnungseingangstüren ist die Gestaltung und Materialität wohltuend unaufdringlich und vermag damit den Charakter der Räume beizubehalten.

Dass dies alles mit einem sehr geringen Budget erreicht wurde und die neuen Wohnungen von den Bauherrschaften selber bewohnt werden, ist entgegen der heutigen soziographischen Entwicklung wohltuend zu beobachten.
Denn dieses kleine Stück Stadt, das dieses Ensemble bildet, soll in seiner Qualität, im Sinne des Weiterbauens und Reparierens Vorbild für die Innerstädtische Verdichtung sein.

Philipp Ryffel