• Foto: Ruedi Walti
    Foto: Ruedi Walti
  • Foto: Ruedi Walti (rechts: Gebäude vor dem Umbau)
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Um- und Neubau Brunngässlein 8, Hotel Nomad, Basel

Architektur:
buchner bründler ag architekten bsa, Basel

Eigentümer:
UBS Immobilienfonds "Swissreal"


Am Brunngässlein 8, einer heute eher unscheinbaren Seitengasse zwischen Aeschenvorstadt und Dufourstrasse, ist ein besonderes architektonisches Bijou entstanden. Aus einem Gebäude der 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts, erbaut von den Architekten Bräunig, Leu, Dürig, wurde ein elegantes modernes Hotel, das Aufsehen erregt.

Das ehemalige Apartmenthaus bestand aus einem Vorder-und einem Hinterhaus mit dazwischen liegendem Höfchen. Es enthielt nur Einzimmerwohnungen, damals eine gefragte Sache für Wochenaufenthalter in Basel. Das Gebäude war mittlerweile in die Jahre gekommen und 2008 wurden die Architekten Buchner/Bründler angefragt, was hier wohl zu machen sei. Für moderne Wohnungen schienen die Lichtverhältnisse an dieser schmalen Gasse eher ungeeignet. Die Architekten schlugen daher eine Hotelnutzung vor und konnten diese dann auch in den Jahren 2014-16 realisieren.

Die Aufgabe war nicht einfach: das Haus befand sich im Inventar der Denkmalpflege, war also als architektonisch bedeutend eingestuft. Die Fassade aus rohem Sichtbeton war im Lauf der Zeit ockerfarbig überstrichen worden, die Holzfenster waren morsch, der Beton bröckelte. Es gelang den Architekten jedoch, den Charakter der Fünfzigerjahre-Architektur beizubehalten und trotzdem ein modernes Haus entstehen zu lassen.

Das Hauptcharakteristikum der Fassade sind geriffelte Betonreliefs. Sie konnten von ihrem Anstrich befreit und erhalten werden. Die Fenster hingegen wurden neu gestaltet – im alten Format, aber aus Ganzglas mit breiten, plastisch abgesetzten Aluminiumrahmen. Im Dachbereich wurde die Attikazone elegant erneuert. Sie gibt der Fassade einen vorzüglichen Abschluss. Die Betonpfeiler im Erdgeschoss sind Originalbestand. Sie wurden neu mit grosszügigen Glasflächen hinterfangen. Diese können im Sommer geöffnet werden und führen direkt in die Lounge, Bar und das Restaurant des Hotels. Dessen Zugang befindet sich in der ehemaligen Durchfahrt zum Hinterhaus, die beibehalten werden sollte.

Das Innere des Gebäudes wird heute – ausgehend von der Fassade – von Beton bestimmt: In roher Form wie z. B. bei der offenen Deckenstruktur im Parterre oder bei den Wänden im Treppenhaus, in geschliffener Form bei den Böden.

Das Vorderhaus enthält in den oberen Stockwerken einen Mittelgang, an dem ehemals beidseitig die Einzimmer-Apartments lagen. Diese Struktur wurde beibehalten, doch die Apartments nun zu Hotelzimmern ausgebaut. Die Materialien des Innenausbaus: Beton, roh oder geschliffen, kombiniert mit hellem Eichenholz, sind umwerfend. Noch selten hat man so elegante Türrahmungen gesehen. Ein Highlight als Gestaltungselement auch die in die Betonböden eingelegten Holzleisten in den Gängen der Wand entlang. Solche Dinge gelingen den Architekten Buchner/Bründler meisterhaft.

Das Hinterhaus war in so schlechtem Zustand, dass es vollständig erneuert werden musste. Sehr zum Vorteil für die nun loftartig gestalteten neuen Hotelzimmer. – Die Innenausstattung des Hotels, Möbel, Vorhänge, Teppiche etc., stammt von Jasmin Grego und Stephanie Kühnle, Zürich.

Der Um- und Neubau einer guten Architektur des 20. Jahrhunderts zu einer noch besseren des 21. Jahrhunderts ist vorzüglich gelungen. Das neue Hotel bildet einen architektonischen Glanzpunkt für das Brunngässlein.
         
Uta Feldges