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Restaurierung und Umbau Rheingasse 31, Basel

Architektur:
Kräuchi Architekten ETH SIA BSA, Basel

Bauherrschaft:
Stiftung Habitat, Basel


An der Rheingasse 31 (vormals 31 und 33) ist ein bis zur Utengasse reichendes Schutzzonen-Ensemble restauriert und zu Büros und Wohnungen umgebaut worden. An die typischen Altstadt-Wohnhäuser der Rheingasse schliessen sich im Hofbereich zwei Gewerbebauten aus dem 19. Jahrhundert an, in denen sich ehemals Färbereien befanden. Ein kleiner Hof führt zur Utengasse, dessen Haus Nr. 32 ebenfalls zum Ensemble gehört.

In einem Auswahlverfahren zur Neunutzung des Areals, das unter vier Architekturbüros durchgeführt wurde, konnte das Büro Kräuchi die beste Lösung präsentieren. Der Staat gab daraufhin das Gelände 2010 im Baurecht an die Stiftung Habitat ab, die dort ihren Hauptsitz einrichtete.

Die Häuser an der Rheingasse wurden fachgerecht restauriert. Sie enthalten im Innern wertvolle historische Bauteile wie Tafelparkett, bemalte Deckenbalken, einen Kachelofen etc. In den Obergeschossen und im Dachgeschoss wurden hier Wohnungen eingerichtet.

Die grosse Herausforderung bestand in der Umnutzung der erhaltenswerten Gewerberäume. Sie bestehen aus stützenlosen Hallen, doch die Mitarbeiter der Stiftung wollten keine Grossraumbüros. So entwickelten der Architekt Men Kräuchi zusammen mit einer Schreinerei aus Nuglar neue Holz-Glas-Trennwände, die die Büros optisch und akustisch voneinander trennen, trotzdem aber den Blick durch die ganze Halle noch zulassen. In holzverkleideten Sidebords ist die gesamte Haustechnik elegant untergebracht.

Doch wie konnte eine Verbindung der beiden Gewerbebauten über den trennenden Durchgang erreicht werden? Nach intensiver Beratung mit der Denkmalpflege entschloss man sich, im 1. Stock eine Passerelle zu bauen, die die heutigen Büroräume miteinander verbindet  und zugleich im Erdgeschoss als Vordach für die Haupteingänge dient. Dieses neue Zusatzelement ist vorzüglich gelungen. Es wirkt beinahe so, als sei es schon immer da gewesen. 

Mit dem Stil der Gewerbebauten hat man sich offensichtlich gründlich auseinander gesetzt. Das zeigen die neuen Stahlfenster im Erdgeschoss dieser Bauten, die noch an die Gewerbenutzung erinnern, aber auch die Holzfenster in den Obergeschossen, beide Typen jeweils vorzüglich proportioniert.

Eine moderne, sehr schöne Zutat im Innern ist das Haupttreppenhaus. Es befindet sich in einem Gebäudeteil, der mehrfach ausgehöhlt worden war und keine historisch wertvolle Substanz mehr enthielt. Um ein grosszügiges Treppenauge ist hier eine elegante Treppenanlage gestaltet worden, mit betonierter Brüstung, Terrazzopodesten und Eichentritten.

Sehr sorgfältig wurde bei dem Einsatz von neuen Materialien verfahren. So begeistern zum Beispiel die neuen massiven Eichenböden restlos und die Verwendung von Terrazzo-Böden in den Eingangsbereichen ebenfalls.

Von der breiten Bogeneinfahrt an der Rheingasse führt heute ein sorgfältig  gepflasterter Durchgang bis zur Utengasse, der sich dort zu einem kleinen Hof ausweitet. Tagsüber bleibt dieser Weg offen, sehr zur Freude der Anwohner und Passanten.

Uta Feldges