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Basel, Paulusquartier und Quartier am Ring, Bauten des Fin de Siécle

Das Paulusquartier und das Viertel am Ring entstanden im Zusammenhang mit der Stadterweiterung Basels im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wie in praktisch allen Städten Europas hatte die industrielle Revolution den Zustrom von immer mehr Menschen bewirkt, so dass sich Basels Bevölkerung vom Stand von 30 000 Einwohnern um 1850 innerhalb von 60 Jahren fast vervierfachte.

Für die Infrastruktur des Gemeinwesens bedeutete das eine Menge neuer Aufgaben, und vor allem brauchte es Wohnungen für die Neuzuzüger. Um mehr Platz zu schaffen, beschloss das nach der Mitte des 19. Jahrhunderts eingerichtete Technische Bureau für die Stadterweiterung, geleitet vom Ingenieur Friedrich Wilhelm Hartmann (1809–1874) aus St. Gallen, die noch vollständig intakte spätmittelalterliche Befestigung niederzulegen, was in den Jahren zwischen 1861 und 1878 sukzessive geschah. Damals fand auch die Anbindung an das internationale Eisenbahnnetz statt. Die Spur der Elsässerbahn musste jedoch schon nach wenigen Jahrzehnten weiter stadtauswärts verlegt werden, damit das um 1900 neu entstehende Paulusquartier nicht von der dort ursprünglich verlaufenden Bahnlinie zerschnitten würde. Auf dem ehemaligen Bahntrassee wurde dann – mit dem Aufkommen der Elektrizität – eine Tramlinie angelegt.

Die von der Regierung herausgegebenen Richtlinien sahen in dieser Gegend ein repräsentatives Wohnquartier mit grösseren Einfamilienhäusern – ohne Handwerksbetriebe – vor; nicht mehr als drei Einfamilienhäuser sollten an den grosszügig bemessenen, oft als Alleen ausgebauten wichtigsten Strassenzügen aneinandergereiht werden dürfen. Villen jedoch waren die Ausnahme. Man wünschte sich hier ein Wohngebiet für den gehobenen Mittelstand, und entsprechend viele Ärzte, Kaufleute, Fabrikanten, Direktoren und Bankiers liessen sich hier nieder. Bald erhielt die Gegend den Namen «Blächdalbe» verpasst.

Die südlich der Schützenmatte gelegenen Gegenden «am Ring» waren weniger exklusiv strukturiert. Hier finden sich in erster Linie Mietshäuser, auch verbunden mit Handwerksbetrieben wie Gärtnereien und Schreinereien. Typisch für die periphere Lage war auch die Niederlassung der Transport- und Umzugsfirma Settelen mit ihrem grossen Fuhrpark, der damals noch als Pferdebetrieb funktionierte.

Gerade im Paulusquartier hat sich ein grosser Teil der originalen Strassenzüge erhalten. Diese Gegend präsentiert sich gleichsam als Musterbuch des Könnens der besten Architekturbüros der Stadt. Damit zeigt sie, verbunden mit verschiedenen neuzeitlichen Haustypen und Überbauungen, die Vielfalt stilistischer Spielarten des Fin-de-Siècle auf, deren Inspirationen von der Romanik und der Spätgotik über die Renaissance bis zum Barock und dem Schweizer Holzbaustil reichen.


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