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Basel, Innenstadt, Bauten des Fin de Siècle

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Ausgelöst durch die industrielle Revolution begann ab 1850 für Basel – wie für die meisten europäischen Städte – eine grosse Umbruchszeit. Um Platz zu schaffen für die wachsende Einwohnerzahl, wurden nach dem Ratschlag von 1859 der Befestigungsring niedergelegt und ausserhalb davon neue Quartiere geschaffen. Die veraltete Infrastruktur musste zudem modernisiert und dem wachsenden Verkehr angepasst werden. Dabei wurde auch die Innenstadt «auf die Höhe der Zeit» gebracht. Freie Strasse, Gerbergasse sowie der Marktplatz erhielten neue Baulinien und ein modernes Gesicht, wodurch zahlreiche mittelalterliche Gebäude – darunter nicht wenige Zunfthäuser – weichen mussten. Um das um einen Turm und einen seitlichen Anbau vergrösserte Rathaus zur Geltung zu bringen, vergrösserte man den Marktplatz und legte ein ganzes Geviert sowie die mittelalterlichen Häuserzeilen ringsherum nieder und schuf damit ein neuzeitliches Stadtbild, das sich zu einem grösseren Teil erhalten hat.

Ab 1895 wurde die Freie Strasse zur repräsentativen Prachtmeile umgestaltet. Man verbreiterte sie auf 12m, von den 57 betroffenen Häusern wurden 49 abgerissen und durch moderne Geschäftshäuser ersetzt. Viele Stadtbewohner und Architekten betrachteten diese Entwicklung mit Skepsis. Das Basler Jahrbuch liess 1907 verlauten: «Unaufhaltsam ist die Baukunst am Werk, das Bild unserer Stadt der Neuzeit anzupassen. Oft verdrängen stattliche Neubauten, dem modernen Geschäftsverkehr gewidmet, die alten anspruchslosen, malerischen Häuser.» Fraglos ist jedoch, dass um 1900 zahlreiche originelle neue Bauten geschaffen wurden.

Indessen wurde an dieser kostbaren Bausubstanz ein böser Raubbau betrieben – ein Drittel der damals entstandenen Gebäude musste rentableren neuen Rasterbauten weichen. Unvergessen ist das Sodeck von Rudolf Linder an der Freien Strasse 74, eine der Pionierbauten der neuen Betonbauweise von 1896/97. Bis heute sind viele dieser wertvollen Zeugnisse aus der Zeit um 1900 von unsensiblen Eingriffen, ja Zerstörung bedroht. Wie wird beispielsweise die Zukunft des traditionellen Bierlokals «Brauner Mutz» am Barfüsserplatz aussehen, das vor kurzem seine Pforten schloss und möglicherweise umgenutzt werden soll?

Baukultur entdecken – Basel, Innenstadt, Bauten des Fin de Siècle. Herausgegeben vom Heimatschutz Basel, Konzept und Redaktion: Andreas Häner, Heimatschutz Basel, Rose Marie Schulz-Rehberg


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